Schreibgeräte und Werbebranche.
Ein Berufsbild im Odenwald.


Schreibgeräte und Werbeartikel – eine besondere Branche im Vorderen Odenwald

Der Vordere Odenwald war über viele Jahrzehnte nicht nur von Landwirtschaft und kleineren Handwerksbetrieben geprägt. In einigen Orten entwickelte sich auch eine bemerkenswerte Industrie rund um Schreibgeräte, Werbeartikel und deren Veredelung. Besonders die Herstellung und Montage von Kugelschreibern spielte dabei eine wichtige Rolle. Ein Beispiel dafür ist die GENT Georg Meisenbach GmbH, Fabrik moderner Schreibgeräte & Co. KG in Fischbachtal-Niedernhausen, die auch in historischen Unterlagen dokumentiert ist. 

Die Arbeit in diesen Betrieben war stark arbeitsteilig organisiert. Aus einzelnen Kunststoff- und Metallteilen entstanden Schritt für Schritt komplette Kugelschreiber. Gehäuse, Minen, Federn, Clips und weitere Kleinteile mussten zusammengesteckt, kontrolliert und verpackt werden. Ein Teil dieser Montagearbeiten wurde auch in Heimarbeitausgeführt. Damit konnte die Produktion über die eigentliche Fabrik hinaus in die umliegenden Dörfer und Familien getragen werden. Die Heimarbeit bot insbesondere Frauen eine Möglichkeit, neben Haushalt und Familie zum Familieneinkommen beizutragen.

Ein weiterer wichtiger Bereich war die Veredelung der Werbeartikel. Aus einem einfachen Kugelschreiber, Schlüsselanhänger oder anderen Gebrauchsgegenstand wurde durch den Aufdruck eines Firmennamens oder Logos ein persönlicher Werbeträger.

Dabei kamen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Bei der Prägung wurde beispielsweise ein Logo oder Schriftzug mithilfe eines erhitzten Prägestempels und Prägefolie auf das Material übertragen. Gerade bei Leder- und Kunstlederartikeln wie Schlüsseltäschchen entstand dadurch ein dauerhaftes, oft metallisch glänzendes Firmenzeichen.

Daneben spielte der Siebdruck eine wichtige Rolle. Mit diesem Verfahren konnten Farben und Schriftzüge auf unterschiedliche Oberflächen aufgebracht werden. Für kleinere und gewölbte Flächen, wie sie bei Kugelschreibern typisch sind, eignete sich besonders der Tampondruck, auch als Tampoprint-Druck bezeichnet. Ein elastischer Silikontampon überträgt dabei die Farbe von einem Klischee auf die Oberfläche und ermöglicht selbst auf runden Schreibgeräten einen präzisen Druck. 

So verband sich im Vorderen Odenwald industrielle Fertigung mit handwerklicher Präzision. In den Werkstätten und Fabrikhallen wurden Schreibgeräte montiert, Werbeartikel bedruckt und Lederwaren geprägt. Gleichzeitig reichte die Produktion bis in die Wohnungen der umliegenden Gemeinden, wo Kugelschreiber in Heimarbeit montiert und für die Weiterverarbeitung vorbereitet wurden.

Die Branche war damit ein charakteristischer Teil der regionalen Wirtschafts- und Sozialgeschichte: Fabrikarbeit, Heimarbeit, Frauenarbeit und industrielle Massenproduktion gingen hier eng miteinander einher. Was heute wie ein einfacher Kugelschreiber oder ein bedruckter Werbeartikel erscheint, bedeutete damals ein komplexes Zusammenspiel vieler einzelner Arbeitsschritte – vom Zusammenbau kleinster Bauteile über Prägung und Siebdruck bis hin zur Endkontrolle und Verpackung.